Was wir wollen und was wir brauchen
- Seelische Grundbedürfnisse



Inhalt

Impressum
  1. Einleitung
  2. Erklärung der einzelnen Grundbedürfnisse
    1. Bedürfnis nach Bindung
    2. Bedürfnis nach Autonomie
    3. Bedürfnis nach Anerkennung/Selbstwert
    4. Bedürfnis nach Identität
    5. Bedürfnis nach körperlichem Wohlbehagen
    6. Bedürfnis nach Sinn/Spiritualität
  3. Konsistenz und Motivationale Schemata
  4. Mars und Venus – Der Fall der Götter
    1. Mars oder der einsame Kämpfer
    2. Venus oder die fleißige Hausfrau und Mutter
  5. „Ich hab alles falsch gemacht“
  6. Wie zerstöre ich meine Beziehung – aber richtig

Impressum

Autorin: Dipl. med. Ulrike Ludwig, Ärztin

Copyright: Alle Rechte vorbehalten. Die Autorin behält sich das ausschließliche Recht der Verbreitung, Vervielfältigung, photomechanischer Wiedergabe und Wiedergabe auf Tonträgern vor. Nachdruck ist nur unter genauer Quellenangabe und mit schriftlicher Zustimmung der Autorin gestattet.

Dank: Mein ganz besonderer Dank gilt Herrn Dr. Thomas Wangemann, Chefarzt der Fachklinik Allgäu in Pfronten. Er stand mir unter anderem bei diesem Artikel mit Rat und Tat sehr hilfreich zur Seite. In seiner Rolle als zunächst vorgesetzter Oberarzt, später Kollege und vor allem Freund habe ich sehr viel von ihm über seelische Grundbedürfnisse gelernt und erfahren dürfen, was in diesem Artikel mitschwingt.

Inhalt

Einleitung

Liebe Patientin, Lieber Patient

Haben Sie schon einmal versucht nicht mehr zu atmen? Wie lange haben Sie es ausgehalten – wenige Sekunden oder gar Minuten? Selbst bei intensivem Training kann es keinem Menschen gelingen, längere Zeit ohne Atmung gesund oder gar lebendig zu bleiben - vom Wohlbefinden mal ganz abgesehen. Wir können daraus schließen, dass Atmung, genauso wie z. B. Essen, Trinken und Schlafen körperliche Grundbedürfnisse des menschlichen Organismus sind. Wir können uns nicht aussuchen, ob wir sie haben und erfüllen wollen oder nicht. Wir brauchen ihre Erfüllung (zumindest teilweise Befriedigung) um gesund zu bleiben und zu überleben.

Auf der Suche nach den Gründen für seelische Störungen kamen sehr viele Forscher und Psychotherapeuten zu der Erkenntnis, dass es auch auf der seelischen Ebene solche Grundbedürfnisse geben muss. Zahlreiche Untersuchungen wurden angestellt und Konzepte entwickelt, welche Bedürfnisse das sein könnten. Neuere Entwicklungen und Erkenntnisse aus der Psychotherapieforschung und der Neurobiologie haben die Diskussion erheblich beschleunigt und fundiert. Gerade Wissenschaftlern wie Klaus Grawe verdanken wir eine deutschsprachige Zusammenfassung dieser zahlreichen neuen Erkenntnisse und Erklärungsmodelle. Er konnte durch eigene Forschung und vor allem die Auswertung zahlreicher Studien zu diesem Thema seelische Grundbedürfnisse genauer identifizieren und nachweisen, dass diese eine neubiologische Grundlage haben. Ergänzt und erweitert wurden diese vor allem aus Sicht der Neurowissenschaften erarbeiteten Ergebnisse, durch das eher aus entwicklungspsychologischer Sicht und klinischer Verhaltensbeobachtung resultierende Wissen von Forschern und Therapeuten wie Allan Schore, Daniel Stern, Martin Dornes, Richard Davidson, Erwin Lemche und Stanley I. Greenspan.

Es konnte gezeigt werden, dass anhaltende oder schwere Verletzung bzw. Nichterfüllung der Grundbedürfnisse zu seelischen Störungen und Krankheit führt. Sowohl auf neurobiologischer als auch „psychologischer“ Seite wurde deutlich, dass wir Menschen im Laufe unseres Lebens verschiedene funktionale (erfolgreiche) und dysfunktionale (nicht erfolgreiche) Strategien (motivationale Schemata) entwickeln, um unsere Grundbedürfnisse zu erfüllen oder deren Verletzung zu vermeiden. Diese bilden dann wiederum die Grundlage dafür, wie erfolgreich wir unser Leben gestalten, wie flexibel wir auf Veränderungen reagieren können und letztendlich auch, warum wir seelisch krank werden.

Besonders geeignet als Grundlage für die klinische Arbeit mit psychisch und psychosomatisch kranken Menschen haben sich folgende seelischen Grundbedürfnisse erwiesen, die im Folgenden noch näher erläutert werden:

Die Bedürfnisse nach Identität und Spiritualität wurden (in Erweiterung der Konzepte von Klaus Grawe) von Dr. Konrad Stauss eingeführt und in seinem Buch Bonding-Psychotherapie (Kösel-Verlag 2006) veröffentlicht. Gerade das Bedürfnis nach Spiritualität hat sich in der praktischen Arbeit mit schwer seelisch verletzten Menschen als sehr hilfreich erwiesen.

Der folgende Artikel möchte Ihnen, manchmal mit etwas Humor gewürzt, diese seelischen Grundbedürfnisse erläutern – ebenso, welche Mechanismen und Strategien ein Mensch aufgrund seiner Lebenserfahrung entwickeln kann um diese Bedürfnisse zu erfüllen oder deren Verletzung zu vermeiden. Der Artikel soll Ihnen helfen festzustellen, in welchem Maß Sie Ihre seelischen Grundbedürfnisse befriedigen bzw. nicht befriedigen und wo diese Grundbedürfnisse durch Situationen in Ihrem Alltag verletzt werden. So können Sie verstehen, warum Sie gerade zum jetzigen Zeitpunkt krank geworden sind und wo Sie ansetzen können, um wieder gesund zu werden. Sie können darüber nachforschen, welche funktionalen oder auch dysfunktionalen Strategien Sie selbst aufgrund Ihrer Lebensgeschichte entwickelt haben. So würde es Ihnen möglich, sich selbst und ggf. auch das Verhalten anderer besser zu verstehen und optimaler Weise auch, neue funktionalere Strategien zu entwickeln.

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Erklärung der einzelnen Grundbedürfnisse

Bedürfnis nach Bindung

Menschen sind soziale Wesen und haben ein biologisch verankertes Bedürfnis, in liebevoller Beziehung zu einem anderen Menschen zu stehen. Dieses Bedürfnis dient im tieferen Sinn dem Überleben des Einzelnen und der Spezies. Es ist unabdingbare Voraussetzung für das körperliche und psychische Überleben – ganz besonders im Kindesalter. Auch im Erwachsenenalter sind gute Bindungen zur Aufrechterhaltung der seelischen Gesundheit zwingend erforderlich. Vor diesem Hintergrund möchte ich sagen, dass das Bedürfnis nach Bindung das Bedeutendste und in seinen Folgen bei Mangel oder Verletzung Weitreichenste.

Bindung bedeutet nicht nur Liebe zu einem Partner oder Kind, sondern beinhaltet auch alle positiven Bindungen mit Freunden, Arbeitskollegen und Anderen. Ein Single kann sehr wohl zufrieden und gesund sein, wenn er genügend andere positive Beziehungen pflegt.

Das Bindungssystem eines Menschen entwickelt sich durch die prägenden Beziehungserfahrungen in der Kindheit – besonders natürlich mit den Hauptbezugspersonen Mutter und Vater. Gelingt es der Mutter (meist der Hauptbezug), sich achtsam und feinfühlig auf die Bedürfnisse des Kindes einzuschwingen und darauf zu reagieren, entwickelt das Kind ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen in sich, in die Beziehung zu Anderen und zur Welt. Es lernt, dass es seine Gefühle und Bedürfnisse mit anderen teilen und um Hilfe bitten darf. Über diese Verbindung lernt es aber auch, wie es mit eigenen Gefühlen selbst gut umgehen kann – wie es sie erkennen, verstehen, ausdrücken und regulieren kann. Es lernt sich selbst zu trösten und Trost und Halt bei Anderen zu finden.

Es gibt viele verschiedene Gründe, die ein Gelingen so einer guten Verbindung zwischen Mutter und Kind be- und verhindern können. Hierzu existiert bereits eine umfangreiche Literatur (Bindungsforschung, u. a. Stichwort Bindungsstile), so dass ich nicht näher darauf eingehen möchte. Wichtig ist mir aber, dass es dabei nicht um eine Schuldzuweisung an die Mutter/Eltern geht, sondern vielmehr um ein Verständnis dafür, warum diese wichtigen, frühen Bindungserfahrungen nicht positiv waren und welche Auswirkungen das auf das Kind und späteren Erwachsenen hat.

War es einem Menschen nicht möglich, gute frühe Bindungserfahrungen zu machen, behält er meist ein chronisches Gefühl von Angst, Schmerz, Traurigkeit und Hilflosigkeit. Vielleicht hat er sich aus Angst vor dem Verlassenwerden angewöhnt, alle eigenen Bedürfnisse zurückzustellen und sich völlig abhängig von seinem Partner zu machen. Vielleicht klammert er sich an seine heutigen Bezugspersonen (Eltern, Partner, Kinder) und kann sie nicht gehen lassen. Vielleicht hat er sich aber auch entschieden, nie mehr jemanden näher an sich heran zu lassen, um ja nie wieder so verletzt und enttäuscht zu werden. Vielleicht ist es ihm sogar gelungen, das Bedürfnis nach Bindung völlig ins Unterbewußte zu drängen, sodass er nicht mal mehr den Wunsch nach naher Beziehung spürt.

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Bedürfnis nach Autonomie

Das Bedürfnis nach Autonomie und Selbstbestimmung entwickelt sich schon bei den ganz kleinen Kindern – nicht zuletzt im Zusammenhang mit zunehmender körperlicher Fertigkeit (Krabbeln) und Sprache. Neugier, Freude an der körperlichen Bewegung, Fähigkeit zu Denken , zu sprechen und selbständig zu handeln führen dazu, dass das kleine Menschlein anfängt, sich auf die äußere Welt auszurichten – sie zu erobern. Wer selbst Vater oder Mutter ist, kennt die geliebten Momente, in denen das Kind auf alles mit NEIN antwortet und seine aggressiven Gefühle teilweise eindrucksvoll ausdrückt. Sind die Umfeldbedingungen gut, lernt es „Ich darf ich selbst sein, darf über mich bestimmen, darf eigene Entscheidungen treffen, eigene Wege ausprobieren, Bedürfnisse anmelden und Ärger ausdrücken.“

Leider sind bei vielen Menschen die Bedingungen nicht so gut gewesen, so dass sie eher gelernt haben „Wenn ich Raum für mich einfordere oder Ärger zeige, dann wenden sich andere von mir ab, ich verliere die Bindung zu geliebten Menschen oder es passiert gar etwas Schlimmes.“ Diese Angst vor Verlust der Bindung ist so groß, dass sie teilweise vollständig das Bedürfnis nach eigenem Raum, Eigenbestimmung und Freiheit verdrängen. Sie merken dann gar nicht mehr, dass ihnen eigentlich etwas fehlt. Sie stellen sich vollständig in den Dienst an Anderen (Familie, Beruf usw.). Gefühle wie Ärger werden nicht mehr gespürt – allenfalls in körperlicher Form, z. B. als Magen- oder Rückenschmerzen.

Insgesamt kann man sich das Bedürfnis nach Autonomie als „gegenpoliges“ Zwillingspaar zum Bedürfnis nach Bindung vorstellen, wobei eine gute und sichere Bindung Voraussetzung für die Entwicklung einer positiven Autonomie ist. Psychische Gesundheit erfordert ein dynamisches Gleichgewicht zwischen beiden Polen (siehe später).

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Bedürfnis nach Anerkennung/Selbstwert

Das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz ist ein spezifisch menschliches Bedürfnis mit sehr hohem Einfluss auf das Wohlbefinden. Menschen brauchen lebenslang wiederkehrende, wohlwollende Beachtung, Bestätigung und Anerkennung. Nur so kann ein Gefühl von eigener Kompetenz, Selbstwirksamkeit, Würde und Selbstachtung entstehen und erhalten bleiben.

Sehr viele Menschen leiden unter einem geringen Selbstwertgefühl und tun in der Folge alles, um Anerkennung zu erhalten. Sie leisten teilweise bis zur Selbstaufgabe, um das grauenhafte Gefühl (nichts wert zu sein) nicht spüren zu müssen. Sie dürfen nie Nein sagen, da sie sonst ja nichts wert sind. Sie müssen immer perfekt sein, um sich vor Kränkungen zu schützen.

Warum haben so viele Menschen so ein geringes Selbstwertgefühl? Bei den meisten Menschen entsteht dies schon in der frühen Kindheit durch mangelnde Liebe, „nicht gewollt sein“, fehlendes Lob und anhaltende Kritik bis zu Missachtung und Vernachlässigung. Wie soll das betroffene Kind das nun verstehen. Es „weiß“ instinktiv, es braucht die Beziehung (Bindung) zur Mutter (oder Hauptbezugsperson), um überleben zu können. Gleichzeitig erlebt es die Mutter strafend und kritisierend. Um die Bindung zur Mutter zu schützen (selbst überleben zu können), muss es also sicherstellen, dass die Mutter nicht böse ist. Also bleibt ihm nichts anderes übrig, als das es selbst die Rolle des Bösen (Ich bin nicht ok) übernimmt. Diese innere Prägung wirkt natürlich auch weit in das erwachsene Leben hinein, wird verstärkt durch spätere Kränkungserlebnisse und natürlich auch durch den eigenen Umgang mit sich selbst (z. B. durch ständige Selbstvorwürfe oder „nicht annehmen können“ von Anerkennung).

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Bedürfnis nach Identität

Jeder Mensch hat das Bedürfnis einer eigenen, unverwechselbaren Identität. Es ist eine Vorstellung, Erfahrung und ein Wissen über sich - was und wer man ist (Ich bin ich), welche körperlichen und seelischen Eigenschaften man hat (z. B. Ich bin groß. Ich bin sportlich. Ich bin offen.) - und auch zu welcher Gruppe man gehört (z. B. Ich bin Erwachsene. Ich bin Deutsche.). Beim Thema Identität finden wir neben dem Selbstbild im engeren Sinne verschiedene Aspekte wie sexuelle Identität und soziale Identität (z. B. berufliche Identität).

Wir Menschen haben zum einen ein hohes Bedürfnis nach Konstanz und Stabilität unserer Identität (Ich bin wie ich bin und ich bin gut so), zum anderen auch einen hohes Bedürfnis uns weiterzuentwickeln im Sinne einer Selbstverwirklichung. Unsere Identität ist natürlich sehr von unseren Lebenserfahrungen abhängig.

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Bedürfnis nach körperlichem Wohlbehagen

Dieses Bedürfnis muss sicher nicht genauer erklärt werden. Wir alle haben ein natürliches Bedürfnis nach Gesundheit, Wohlbehagen und körperlicher Unversehrtheit. Jeder hat schon mal erlebt, dass körperliche Erkrankungen und Verletzungen eine unmittelbare Auswirkung auf unseren seelischen Zustand haben. Ganz besonders Menschen mit chronischen Erkrankungen und Schmerzen können ein Lied davon singen. Bei vielen Menschen entsteht in Folge der anhaltenden körperlichen Erkrankung eine seelische (psychosomatische) Erkrankung wie eine Depression.

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Bedürfnis nach Sinn/Spiritualität

Dieses Bedürfnis wird in psychotherapeutischen Kreisen natürlich sehr kontrovers diskutiert, nicht zuletzt dadurch, dass viele Menschen schwierige und wenig hilfreiche Erlebnisse mit Spiritualität und Kirche verbinden. Ungeachtet dessen konnte aber auch zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass eine positiv erlebte Spiritualität eine sehr wirksame Ressource bei der Bewältigung psychischer Probleme und Lebenskrisen darstellt.

Beim Thema Spiritualität geht es weniger um irgendeine spezifische Glaubensrichtung, Religion oder gar eine Kirche. Es geht vielmehr um eine ganz persönliche Erfahrung von Sinn und Bedeutung von sich selbst, den Menschen, dem Leben schlechthin, der Welt, dem Universum. Es umfasst eine gefühlte Verbindung mit dem Leben und dem, was wir vielleicht Gott, Allah, das Absolute, Brahman, Großer Geist und vieles mehr nennen. Ein spiritueller Mensch kann sich selbst als Teil der Natur und des Göttlichen sehen. Er erlebt sich eingebunden in etwas, was viel größer ist als wir und erlebt hieraus Geborgenheit, Trost, Orientierung und Unterstützung.

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Konsistenz und Motivationale Schemata

Bevor ich beispielhaft auf einzelne typische Strategien der Befriedigung von Grundbedürfnissen bzw. Vermeidung deren Verletzung genauer eingehe, möchte ich noch einige Grundlagen, die für alle diese Grundbedürfnisse gelten, erläutern. Um Ihnen die teilweise schon recht komplexen neurobiologischen und entwicklungspsychologischen Vorgänge in einfachen Worten erklären zu können, möchte ich dies in einem Bild verständlich machen.

Stellen Sie sich vor, für jedes der 6 seelischen Grundbedürfnisse gäbe es in Ihnen (natürlich in jedem Menschen) jeweils einen großen Topf – vielleicht so wie der Zaubertrank-Topf von Miraculix (Asterix-Comic). Jeder Topf steht jeweils auf einer Feuerstelle und köchelt so vor sich hin. Dadurch verdunstet stets eine gewisse Menge.

Jeder Topf hat eine eigene Markierung um anzuzeigen, wie viel im Topf sein muss, damit sie sich bezüglich dieses Bedürfnisses wohl fühlen (z. B. wie viel Anerkennung und Lob brauchen Sie bzw. müssen Sie von anderen und von sich selbst erhalten haben, damit Sie sich wertvoll fühlen). Ist der Topf gefüllt, geht es Ihnen bezüglich dieses Bedürfnisses gut. Ist der Topf nicht ausreichend gefüllt, spüren Sie das z. B in Form innerer Unruhe, Nervosität, körperlichem Missempfinden oder Schmerz sowie Gefühlen wie Unlust, Überforderung, Trauer und Angst.

Um sich wohl zu fühlen und gesund zu sein, muss jeder der Töpfe ausreichend gefüllt werden – zumindest muss in der Gesamtbilanz der Töpfe eine Mindestmenge erreicht sein. D. h. ist beispielsweise der Topf der Autonomie sehr leer (weil Sie zum Beispiel kleine Kinder und dadurch kaum noch Raum für sich selbst haben), erhalten Sie dafür durch die Kinder aber viel Liebe und Nähe (Topf Bindung) und vielleicht erhalten Sie sogar zusätzlich noch Anerkennung für Ihre Mutterrolle von Ihrem Mann/Familie/Freunde (Topf Selbstwert), dann fühlen Sie sich trotzdem wohl. Das Minus im Autonomietopf wird durch ein Plus im Bindungs- und Selbstwerttopf ausgeglichen. Kommt die Gesamtbilanz aber ins Minus, dann haben Sie eine große Wahrscheinlichkeit auf Dauer unzufrieden und/oder krank zu werden.

Einfach ausgedrückt könnte man sagen: Ist die Gesamtbilanz insgesamt positiv, fühlen Sie sich lebendig und sind seelisch gesund. Ist die Gesamtbilanz Null (also weder positiv noch negativ), dann existieren Sie. Das Leben ist nicht gerade toll, aber man lebt und funktioniert halt. Ist die Gesamtbilanz im Minus, kommen Sie unter anhaltende innere Spannung und werden auf Dauer gesehen krank.

Zum Thema Gesamtbilanz kann man noch sagen, dass wir Menschen biologisch begründet stets darauf ausgerichtet sind, innere Ruhe und Entspannung zu erleben (Lust) und innere Anspannung (Unlust) zu vermeiden. Das liegt nicht daran, dass wir nur Spaß haben und keine Lasten übernehmen wollen, sondern es liegt an den Anforderungen unseres Gehirns. Sind wir mit uns und der Welt „im Reinen“, erleben freudvolle Dinge und sind gesund, dann herrscht in unserem Gehirn Ruhe und Stabilität. Alle Aufgaben im Gehirn können effektiv und schnell erledigt werden. Man nennt diesen Zustand Konsistenz. Konsistenz ist also das, was unser Gehirn braucht, um gut zu funktionieren. Am besten erreicht man diesen Zustand durch die gute Erfüllung der körperlichen und seelischen Grundbedürfnisse.

Können diese nicht ausreichend befriedigt werden (durch unzureichende Erfüllung oder gar Verletzung der Grundbedürfnisse), dann geraten wir und unser Gehirn in einen Spannungszustand (Inkonsistenz), der sich unangenehm anfühlt. Ziel und erste Priorität ist dann die Wiederherstellung der Konsistenz. Im Übrigen ist ein gewisses Maß an Inkonsistenz und damit Leidens- und Veränderungsdruck unmittelbare Voraussetzung dafür, dass wir uns überhaupt weiterentwickeln – sowohl als Individuum als auch als menschliche Spezies.

Nun ist natürlich die spannende Frage: Wie fülle ich die einzelnen Töpfe und warum benutze ich gerade diese Strategien? Hier kommen nun die motivationalen Schemata ins Spiel. Motivationale Schemata sind nichts anderes als unsere erlernten Strategien, wie wir unsere Grundbedürfnisse erfüllen oder deren Verletzung vermeiden können. Viele Menschen haben zum Beispiel gelernt, dass sie Anerkennung bekommen (Topf Selbstwert wird gefüllt) durch (beruflichen) Fleiß und Leistung. Dies wäre also ein motivationales Schema zum Bereich Selbstwertgefühl.

Gehen wir jetzt wieder zu unserem Bild der 6 Töpfe. Stellen Sie sich bitte vor, dass über jedem Topf „Wasserhähne“ angebracht sind. Der Mensch lernt im Laufe seines Lebens, welche Hähne möglich sind (zumindest ein paar Möglichkeiten) und wie er sie aufdrehen kann, um einen Topf zu füllen und/oder eine übermäßige Verringerung des Topfinhaltes zu vermeiden. Also bei oben genanntem Beispiel der Wasserhahn „Leistung/Fleiß“ dreht man auf, indem man sich sehr anstrengt und zum Beispiel Überdurchschnittliches leistet. Dadurch wird der Topf Selbstwert gefüllt. Das Ganze nennt man wissenschaftlicher ausgedrückt, ein motivationales Schema – und da es das Ziel hat ein Bedürfnis zu erreichen (Annäherungsziel), nennt man es Annäherungsschema.

Optimaler Weise lernt jeder Mensch im Laufe seiner Entwicklung möglichst viele und unterschiedliche Annäherungsschemata (z. B. zum Thema Selbstwert berufliche Leistung, Sport, Hobbys, liebevoller Umgang und vieles mehr). Schwieriger wird es, wenn Sie zum Beispiel nur eine Hauptstrategie erlernen konnten, um Anerkennung zu bekommen (z. B. berufliche Leistung). Dann sind Sie natürlich sehr abhängig davon, ob Ihre Vorgesetzten/Kollegen Ihnen diese Anerkennung auch geben. In der Regel klappt dies auf Dauer nicht sehr gut, weshalb Sie versuchen noch mehr zu leisten („Irgendwann muss er/sie es doch sehen und gut finden!“). Noch enger wird es natürlich, wenn sich zusätzlich auch noch im Umfeld etwas verändert - beispielsweise der Chef (der Sie vielleicht mochte) wechselt, der Druck und die Erwartungshaltung auf dem Arbeitsmarkt sich ständig verschärft (viele klagen über zunehmend unsozialen Umgang der Arbeitgeber) oder Sie den Job verlieren. Problematisch (dysfunktional) ist ebenso, dass Sie sich auf diese Weise andauernd ständig selbst überfordern, Grenzen missachten und am Ende vielleicht krank werden. Krank kann man dann schon gar nicht mehr die geforderte Leistung erbringen, so dass der Selbstwerttopf noch mehr ins Minus kommt. Und schon hat man die beste Grundlage für eine Depression (manche nennen es netter Weise lieber Burnout).

Neben den Annäherungsschemata (oder auch anstatt von) kann ein Mensch Vermeidungsschemata entwickeln. Erlebt ein Kind zum Beispiel immer wieder, dass sein Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit (Topf Bindung) von Mutter/Vater (Hauptbezugspersonen) nicht angemessen und feinfühlig beantwortet wird (oder gar direkt verletzt wird durch Ablehnung, Schläge und Abwertung) – d. h. sein Bedürfnis nach Bindung wiederholt verletzt wird - kann es unbewußt den Schluss daraus ziehen, dass es nie mehr so verletzt werden will (Vermeidungsziel). Deshalb „beschließt es“, anderen Menschen nie mehr nahe zu kommen. Es lernt also, wie es die Nähe anderer Menschen vermeiden kann, zum Beispiel indem es sich zurückzieht, Beziehungsangebote anderer ablehnt oder sich gar aggressiv verhält . Dies nennen wir Vermeidungsschema. Es kann sogar soweit gehen, dass es das Bedürfnis nach Bindung völlig verdrängt, so dass es nicht mehr so weh tut. Diese Menschen haben dann die innere Überzeugung: „Ich brauche euch alle nicht. Im Zweifelsfall mache ich das alles allein.“ Dieses schützt den Menschen zwar etwas mehr vor Verletzungen, aber sein Bindungstopf kann so auch nicht gefüllt werden. Da das Bindungsbedürfnis aber eines unserer wichtigsten Grundbedürfnisse ist (also nicht davon abhängig ob wir es wollen oder nicht), wird das auf Dauer nicht gut gehen (siehe später) und kostet ständig im Hintergrund viel Kraft und Lebensfreude, die dann wiederum fehlt um gut leben und funktionieren zu können.

In unserem Bild der 6 Töpfe können Sie sich letzteres etwa so vorstellen: Durch die Nichterfüllung und Verletzung der Bedürfnisse bleiben die Töpfe (im Beispiel der Bindungstopf) schon im Kindesalter chronisch leer und bekommen evtl. sogar Löcher geschlagen (alte Wunden durch Verletzungen). Dadurch verdunstet nicht nur ständig ein Teil des Inhaltes, was ja normal ist (Topf auf dem Feuer), sondern zusätzlich kommt es zu einem ständigen Verlust durch die Löcher.

Diesen Mangel spüren Sie oft auch noch als Erwachsener – z. B. durch ein überdurchschnittlich hohes Bedürfnis nach Nähe und Bindung sowie Verlassensangst (Angst vor Verletzung des Bindungsbedürfnisses). Damit dies nicht passiert, gewöhnen Sie sich vielleicht die Strategie an, Ihre eigenen Bedürfnisse zu Gunsten Ihres Partners oder der Kinder zurückzustellen – egal um welchen Preis. Aber Sie merken trotzdem, dass die Menge, die Ihre Eltern Ihnen als Kind hätten in Ihren Bindungstopf einfüllen müssen, nicht mehr aufzufüllen ist (Gefühl chronischen Mangels).

Gleichzeitig können Sie sich bitte vorstellen, dass durch die früheren Verletzungen und mehr oder weniger großen und vielen Löcher in Ihrem Topf das „Wasser“, was Sie als Erwachsener einfüllen, ständig heraus fließt. Typisches Beispiel zum Thema Selbstwert: Wurden Sie in Ihren Eltern nicht ausreichend anerkannt – erhielten eher Botschaften von „Du bist so nicht o.k.“, hat Ihr Selbstwerttopf viele Löcher. So haben Sie vielleicht gelernt durch überdurchschnittliche Leistung und Angepasstheit erneute Löcher zu verhindern. Gleichzeitig spüren Sie, dass sie trotz des hohen Bedürfnisses nach Anerkennung, die Wertschätzung von anderen dafür gar nicht annehmen können oder die Freude darüber sehr schnell wieder verschwindet und Zweifeln weicht. Also egal wie viel Sie oben reinfüllen, es läuft wie bei einem Fass ohne Boden zu viel unten wieder raus, und Sie fühlen selten oder nie „Ich bin o.k.“.

So ganz nebenbei: Neigen Sie dazu mit sich selbst gegenüber überdurchschnittlich kritisch zu sein, sich nichts zu verzeihen und sich ständig selbst zu kritisieren – vielleicht mit Bemerkungen wie „Nicht mal das bekomme ich hin! Schon wieder habe ich es nicht geschafft! Ich bin ein Versager!“? Dann haben Sie eine hervorragende Strategie um dafür zu sorgen, dass die Löcher in Ihrem Selbstwerttopf nie geschlossen werden, vielleicht sogar neue dazukommen. Um irgendwann in eine Depression zu kommen, brauchen Sie dann nicht mal mehr andere Menschen, die Sie verletzen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass wir Menschen mit den oben genannten 6 „Wassertöpfen“ zur Welt kommen (seelische Grundbedürfnisse) und es ist unser Ziel, diese stets ausreichend gefüllt zu haben (Konsistenz). Von Geburt an und über unser gesamtes Leben hinweg erlernen wir Strategien, wie wir dies tun können (motivationale Schemata). Am meisten prägen uns natürlich dabei die Erfahrungen der Kindheit, wo wir Strategien anerzogen bekommen und/oder uns von den Eltern abschauen. Im günstigen Fall lernen wir viele gute Strategien (nährende Wasserhähne, Annäherungsschemata) um die Töpfe zu füllen. Im etwas ungünstigern Fall lernen wir davon zu wenige und sind so wenig flexibel, wenn sich im Außen etwas ändert.

Lernt ein Mensch vorrangig Annäherungsschemata, wird er sein Leben aktiv und initiativ gestalten können. Ein Mensch mit vorrangig Vermeidungsschemata befindet sich eher in einer passiv-reagiblen Position und ist damit in seiner Lebensgestaltung den Umständen eher ausgeliefert und eingeschränkt.

Durch Mangel und Verletzungen bekommen unsere Töpfe mehr oder weniger viele und große Löcher, die uns auch später die Füllung unserer Bedürfnistöpfe erschweren oder gar verhindern. Außerdem lernen wir dadurch eher Strategien um erneute Verletzungen (Löcher) zu vermeiden (Vermeidungsschemata).

Alle Grundbedürfnisse bestehen gleichzeitig und nebeneinander. Dabei ist es normal, dass sich manchmal die Ziele zur Füllung der Töpfe direkt widersprechen. Bestes Beispiel hierfür ist das Verhältnis von Bindung und Autonomie. Ich kann nicht zu einem Zeitpunkt einem anderen Menschen sehr nah sein und gleichzeitig völlig unabhängig (autonom). Die Lösung liegt in diesen Fällen immer im Kompromiss und einem flexiblen Wechsel zwischen den konkurrierenden Bedürfnissen. Es ist auch durchaus gesund und angemessen für einen bestimmten Zeitraum, ein Bedürfnis zu Gunsten eines anderen völlig zurückzustellen: Beispiele hierfür sind: vorübergehende Aufgabe von Autonomie für Bindung um kleine Kinder zu versorgen; Teilaufgabe von Bindung zugunsten von Autonomie und Selbstwert um beruflich voranzukommen; Konzentration auf Autonomie nach einer Trennung. Problematisch und dysfunktional wird es erst, wenn es zu einem Dauerzustand wird, keine oder unzureichende Flexibilität besteht und überwiegend Vermeidungsmechanismen vorliegen (siehe später). Wesentlich zu sagen ist auch, dass unsere erlernten Strategien in der Regel automatisch ablaufen bzw. eingesetzt werden und uns nicht bewusst sind.

Zudem kann es auch folgender Maßen sein: Stellen Sie sich einen Menschen vor, der schon vom Kindesalter unter einem großem Mangel an Bedürfniserfüllung in fast allen Grundbedürfnissen gelitten hat (z. B. durch chronische Vernachlässigung oder mangelnde Unterstützung). Das einzige gut erfüllte Bedürfnis war das nach körperlicher Gesundheit. Viele Jahre konnte er darüber (z. B. unterstützt durch viel körperliche Aktivität und Sport) sein inneres Gleichgewicht halbwegs aufrechterhalten. Zum Zusammenbruch kommt es in diesem Fall, wenn er sich z. B. nach einem kleinen Unfall vorübergehend nicht mehr so gut sportlich betätigen kann.

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Mars und Venus – Der Fall der Götter

Um Ihnen die Aufgabe zu erleichtern, sich selbst besser einzuschätzen, möchte ich Ihnen zwei sehr unterschiedliche Typen von Menschen mit sehr ausgeprägten, aber nicht ungewöhnlichen Strategien der Erfüllung von seelischen Grundbedürfnissen beschreiben. In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf typische Lebenssituationen hinweisen, die oft zur Dekompensation der Betreffenden führen und in der Folge zu deren psychischer und psychosomatischer Erkrankung.

Die beiden Beispiele sind deutlich überspitzt und sind mit keinerlei Wertung verbunden. Insgesamt finden sich häufiger weniger polare Verteilungen als in diesen Beispielen. Ebenso ist das eine kein alleiniges Frauenthema und das andere Beispiel kein allgemeingültiges Männerthema – auch wenn es sicher Tendenzen in die eine oder andere Richtung gibt. Auch die soziale Herkunft ist nur ein Faktor von vielen. Dennoch hilft die Überzeichnung und das etwas Klischeehafte vielleicht, eigene Muster besser erkennen zu können.

Sehr wichtig ist es mir zu sagen, dass sowohl die im folgenden beschriebenen als auch alle anderen Strategien durchaus aus der Lebensgeschichte der einzelnen Menschen heraus sinnvoll und nachvollziehbar sind – auch wenn die Strategien im Erwachsenenalter häufig hinderlich sind und die Betroffenen sich vielleicht irgendwann einmal selber verwundert fragen: „Warum ist mir nicht vorher aufgefallen, dass das so nicht funktionieren kann?“ Für die damaligen Verhältnisse des Kindes war es nicht anders möglich.

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Mars oder der einsame Kämpfer

Stellen Sie sich bitte Herrn K. - einen sympathischen und charismatischen Mann vor - vielleicht 40 Jahre alt, beruflich erfolgreicher Ingenieur in leitender Position, verheiratet, 2 gesunde Kinder, Eigenheim, finanziell abgesichert. Die Familie hat sich geeinigt, dass die Frau zu Hause bleibt und die Kinder versorgt, während er vor allem für den Unterhalt sorgt. Er ist korrekt und zuverlässig, im Beruf sehr angesehen und engagiert. Er leistet sehr gute bis überdurchschnittliche Arbeit, mit regelmäßig Überstunden - was Ihm natürlich wenig Raum für Familie und Hobbys lässt. In seiner Freizeit fährt er viele Kilometer mit dem Rad, um sich zu entspannen, von den Problemen des Berufsalltags Abstand zu bekommen und seine körperliche Fitness zu stärken. Hier kann ihn auch so schnell keiner einholen. Mit Spiritualität oder so was wie Gott, hat er „nicht viel am Hut“ – allerdings auch keine Zeit sich um solche Themen zu kümmern.

Er wuchs in einer Familie als ältester Sohn von 2 Kindern auf. Der Vater (ebenfalls leitender Angestellter), stellte hohe Anforderungen an den Sohn, besonders bezüglich schulischer und beruflicher Leistung. „Zucht und Ordnung, Anstand und hohe moralische Werte wurden gepflegt. Gefühle wie Traurigkeit und Angst, oder gar der Wunsch nach Kuscheln waren nicht gern gesehen – wurden eher lächerlich gemacht. Sätze wie „Nur die Harten kommen in den Garten“, „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ und „Stell dich nicht so an. Du bist ein Mann“ waren dem Jungen schnell vertraut geworden (Botschaft: Du bist nicht ok). Die Mutter (eine liebevolle, fleißige und etwas selbstunsichere Frau) war dem Vater eher Untertan. Um weitere Verletzungen zu vermeiden, übernahm der Junge die Werte der Eltern und „entschloss sich“, maximale Leistungen zu bringen, niemanden mehr näher an sich ranzulassen und keine Schwächen mehr bei sich zuzulassen oder gar zu zeigen.

Betrachten wir nun seine Verteilung und den Grad der Erfüllung seiner Grundbedürfnisse. Hierzu verwenden wir ein Diagramm, welches von Dr. Stauss zur Vereinfachung der Darstellung des Sachverhaltes entwickelt wurde. In der Horizontalen finden sich die verschiedenen Grundbedürfnisse (B = Bindung; A = Autonomie; SW = Selbstwert; I = Identität; KW = körperliches Wohlbefinden; S = Spiritualität). In der Vertikalen befindet sich eine Skala von +4 (volle Erfüllung des Grundbedürfnisses) bis -4 (absolutes Defizit, keine Erfüllung des Grundbedürfnisses).

Wir können folgende Besonderheiten bei Herrn K. erkennen:

Insgesamt ist die Gesamtbilanz deutlich im Plus (beneidenswert, oder?). Herr K. kompensiert sein (nicht wahrgenommenes) Defizit im Bereich Bindung vorrangig über Autonomie und Selbstwert durch berufliche Leistungsfähigkeit. Damit fühlt er sich allerdings wohl. Er hat das Prinzip „schneller, höher, weiter“ für sich gewählt, oder wählen müssen.

nsgesamt ist diese Strategie durchaus erfolgreich – viele Arbeitsplätze (z. B. Manager oder Oberarzt) setzen sie geradezu voraus. Das Problem dabei ist, dass es ihn ständig unglaublich viel Kraft kostet, all die Anforderungen gut zu erfüllen und nicht zu versagen. Außerdem ist diese Strategie sehr anfällig für Änderungen im Umfeld.

Stellen Sie sich bitte vor, Herr K. bekommt mit vorschreitendem Alter zunehmend Knieschmerzen. Der Arzt stellt ausgeprägte Abnutzungserscheinungen fest, die in der Familie von Herrn K. typisch sind. Auf die Kompensation über Sport muss Herr K. in der Folge verzichten (Verletzung in den Grundbedürfnissen Selbstwert und körperliches Wohlbefinden), was seine innere Gesamtbilanz schon erheblich ins Wanken bringt.

Zusätzlich verliert Herr K. mit 55 Jahren z. B. seinen Job (Herr K. hatte Glück und ihn hat nicht vorher ein Herzinfarkt ereilt)? Er ist immer noch verheiratet, die Kinder sind aus dem Haus und seine Frau hat in inzwischen einen Job, eigene Freundinnen und Hobbys. Sie hat Ihre Sehnsucht nach mehr Nähe mit ihm mittlerweile aufgegeben. Man lebt eher „nebeneinander“. Finanziell ist es schwierig geworden (Arbeitslosengeld, ungünstige Arbeitsmarktsituation).

Schauen wir uns nun wieder die Gesamtbilanz an:

Sie sehen, Herr K. stürzt in eine extrem schwere Lebenskrise, wird schwer depressiv (was natürlich die nächste schwere Selbstwertkränkung ist) und zweifelt am Lebenssinn. Wenn er Glück hat, steht ihm seine Frau und die Kinder in dieser Zeit zur Seite.

Welche Situationen führen unter anderen häufig zur Erkrankung dieser Art von Menschen?

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Venus oder die fleißige Hausfrau und Mutter

Stellen Sie sich hierzu bitte Frau M. - eine nette 30jährige Frau vor – gelernte Kauffrau, zurzeit Hausfrau, 2 gesunde Kinder, Eigenheim, finanziell abgesichert, gern gesehen in der Nachbarschaft, sozial sehr engagiert. Die Familie hat sich geeinigt, dass die Frau zu Hause bleibt und die Kinder versorgt, während er vor allem für den Unterhalt sorgt. Etwas leidet sie schon darunter, dass er als angesehener und engagierter Ingenieur wenig zu Hause präsent ist. Aber schließlich muss er ja für den Unterhalt sorgen und das macht er wirklich gut. Sie ist schon sehr stolz darauf seine Frau zu sein. Für ihre Hobbys und Unternehmungen mit Freundinnen lassen ihr Haushalt und Kinder leider wenig Zeit. Religiös erzogen findet sie viel Halt und Unterstützung in Ihrem Glauben und in der Kirchengemeinde.

Aufgewachsen ist sie als zweites von insgesamt vier Kindern auf einem Bauernhof. Die Familie lebte unter eher finanziell schwierigen Bedingungen. Alle mussten mit anfassen, um den Hof zu halten. Der Vater (ein eher strenger, manchmal despotischer und emotional wenig präsenter Bauer) war tagaus tagein mit den Arbeiten am Hof beschäftigt – nebenbei noch aktiv im Gemeinderat. Abends ging er zum Entspannen in die Kneipe zum Bier mit den anderen Bauern und am Wochenende nach der Kirche zum Frühschoppen. Bei Widerworten, mangelndem Gehorsam, „Faulheit“ und „Gejammer“ gab’s auch schon mal eine auf den Hintern. Die Mutter, eine angepasst und fleißige Frau, war mit den vielen Aufgaben im Haushalt, der Versorgung der Tiere auf dem Hof und den vier Kindern chronisch überlastet – dadurch häufig gereizt und nicht wirklich präsent für all die „kleinen Nöte“ der Kinder. Vermutlich war sie aus der Überforderung heraus auch oft depressiv, in sich gekehrt und so für die Kinder nicht ausreichend emotional verfügbar – auch wenn die Kinder immer genug zu essen hatten, sauber angezogen waren und ein sicheres Zuhause hatten. Deshalb musste Frau M. schon früh viel Verantwortung auch für die jüngeren Geschwister übernehmen. Sie nahm sich schon damals vor, dass sie es mit ihren Kindern anders als ihre Mutter machen wird. In der Familie stellten Moral und Religion wichtige Grundpfeiler dar. Insgesamt lernte Frau M. früh eigene Bedürfnisse zurückzunehmen und andere zu versorgen um Bindung zu sichern. Vielleicht war auch die Hoffnung dabei, dass wenn sie immer gut für die anderen sorgen würde, irgendwann auch mal jemand für sie sorgen oder Zeit haben würde.

Betrachten wir nun die Verteilung und den Grad der Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse.

Wir können folgende Besonderheiten erkennen:

Insgesamt ist die Gesamtbilanz gut. Frau M. kompensiert ihr (nicht wahrgenommenes) Defizit im Bereich Autonomie und Selbstwert vorrangig über Bindung. Insgesamt kann diese Strategie durchaus lange sehr erfolgreich sein. Aber auch hier gibt es einige typische Risiken.

Stellen Sie sich bitte dazu vor, dass die Kinder nun deutlich größer und damit selbstständiger und autonomer geworden sind (vielleicht sogar schon aus dem Haus gehen). Nun hat Frau M. plötzlich keine Aufgabe mehr, die sie ausfüllt und keiner ist ihr mehr so nah. Die Kinder sind gar in der Pubertät und alles, was sie als Mutter macht, ist falsch. Selbst die Schulleistungen ihrer Kinder waren mal deutlich besser. Ständig gibt es Streit und ihr Mann macht die Situation mit seinen strengen Erziehungsmethoden, die vor allem auf Leistung, Perfektion und Disziplin ausgerichtet sind, auch nicht besser. Viele Freundinnen, mit denen sie in der Schule waren, haben einen Job oder gar Karriere gemacht. Am Arbeitsmarkt hat sie schlechte Chancen – schließlich hat sie kaum Berufserfahrung und das liegt auch schon mehr als 15 Jahre zurück. Vielleicht findet sie sogar einen Job und versucht hier (neben der Versorgung von Haushalt, Kindern und Mann) mit maximaler Leistung ihr Selbstwertgefühl zu stabilisieren. Gleichzeitig plagen sie die Schuldgefühle ihren Kindern gegenüber, da sie nun weniger Zeit für sie hat. Dies versucht sie zu kompensieren, indem sie sich noch mehr Mühe gibt.

Schauen wir uns nun wieder die Gesamtbilanz an:

Die Gesamtbilanz von Frau M. ist unter den veränderten Bedingungen sichtlich ins Minus geraten. Die Unterstützung durch ihren Mann ist vielleicht eingeschränkt, da es ihm sehr schwer fällt, die Probleme seiner Frau nachzuvollziehen. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist sie enttäuscht vom Leben und den ihr nahe stehenden Menschen und wird nun Symptome einer Depression oder einer Somatisierungsstörung, zum Beispiel mit chronischen Schmerzen entwickeln.

Welche Situationen führen unter anderen häufig zur Erkrankung dieser Art von Menschen?

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„Ich hab alles falsch gemacht“

Liebe Patientin, Lieber Patient

Vielleicht haben Sie sich an der einen oder anderen Stelle wieder erkannt, sich möglicherweise sehr betroffen gefühlt oder eventuell hatten Sie auch an einigen Stellen ein „komisches Gefühl“ in der Brust oder im Bauch – vielleicht nur so ein leichtes Flattern wie ein Schmetterlingsflügelschlag. Ich empfehle Ihnen, genau an diesen Stellen tiefer nachzufühlen und nachzudenken. Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch in sich das tiefe Wissen hat, wo seine Probleme liegen und was er ändern müsste. Wir Menschen können darauf nur oft nicht zugreifen oder wollen es manchmal vielleicht auch nicht so genau wissen – ist es doch oft mit Gefühlen wie Schmerz, Angst, Wut und Scham verbunden. Leider können wir so zwar solche Gefühle vermeiden, können uns dadurch aber auch nicht weiterentwickeln und aktiv nach funktionaleren Strategien Ausschau halten. Wie die kleine Landratte Remy (das großes Kochgenie in dem Film Ratatouille) schon sagte: „Das Leben ist Veränderung“ und beschloss, nicht dem von Rattenvater und Großfamilie vorgezeichneten Weg und unabänderlichen Schicksal zu folgen, sondern sein Leben aktiv zu gestalten.

Wir alle sind geprägt von unseren Lebenserfahrungen. Kinder müssen, ob sie wollen oder nicht, die Werte und Strategien der Eltern übernehmen und sich an die manchmal sehr ungünstigen Gegebenheiten zu Hause anpassen. Wir als Erwachsene hätten aber jederzeit die Möglichkeit zu überprüfen, ob unsere übernommenen Werte und Strategien unter den geänderten Umständen und mit unserem heutigen Wissen immer noch sinnvoll und für uns richtig sind. Stimmen meine Werte immer noch mit den Werten der Eltern überein? Haben sich die erlernten Mechanismen auch im Erwachsenenalter als erfolgreich erwiesen, und wenn ja, in welchen Situationen?

Schütten Sie bei dieser Überprüfung aber bitte nicht das Kind mit dem Bade aus, im Sinne von „Ich habe alles falsch gemacht“. Viele Strategien sind unter bestimmten Umständen durchaus sinnvoll und sogar Stärken. Hinderlich werden sie erst, wenn sie zu starr oder die einzigen Strategien sind. Auch eine guter Mechanismus oder Wert wird zum Problem, wenn er automatisch in jeder Situation angewendet wird. Sind Sie zum Beispiel jemand, der gern für andere sorgt und Rücksicht nimmt: Bitte behalten Sie diese gute soziale Fähigkeit. Es ist eine Stärke. Mit der Variante „Ich mache nur noch, was mir gut tut“ werden Sie auf Dauer nicht wirklich glücklicher werden.

Versuchen Sie eher für sich zu überprüfen, wo und warum sie diese eigentlich gute Fähigkeit automatisch, dysfunktional und zu Ihrem Schaden einsetzen. Müssen Sie zum Beispiel andere versorgen, weil Sie sonst das Gefühl haben, nicht wertvoll zu sein? Oder befürchten Sie eher, dass sich sonst andere Menschen von Ihnen abwenden könnten oder Sie in Streitereien geraten? Oder hoffen Sie unbewußt, dass – wenn Sie fleißig die Anderen versorgen – dann mal jemand was für Sie tut oder Sie gar die erbrachte „Versorgungsleistung“ irgendwann einmal vergolten wird?

Das Problem ist in diesem Beispiel also nicht, dass Sie andere versorgen, sondern das Sie es müssen, um ein bestimmtes Grundbedürfnis (z. B. Bedürfnis nach Bindung oder Selbstwert) zu erfüllen. Gelingt es Ihnen zusätzliche, neue Strategien zur Erfüllung der Grundbedürfnisse zu entwickeln und vielleicht sogar die alten Verletzungen und Wunden zu heilen (Löcher im Topf schließen), werden Sie in Ihren Möglichkeiten deutlich freier, flexibler und erfolgreicher. Dann können Sie nämlich erheblich freier entscheiden, ob Sie zum Beispiel eine Aufgabe übernehmen möchten oder nicht – sind aber nicht mehr gezwungen zu allem Ja zu sagen.

Mein Vorschlag an Sie ist: Fangen Sie zunächst an, sich selbst zu beobachten, sich selbst kennen zu lernen und die wahre Motivation hinter Ihren Handlungen zu hinterfragen. Seien Sie dabei aber nicht Ihr größter Feind und Inquisitor. Es geht nicht um eine „Fehlersuche“ sondern ein liebevolles und akzeptierendes Hinterfragen im Sinne von „Warum mache ich das? Von wem und durch welche Umstände habe ich das gelernt? Was treibt mich dazu?“. Vielleicht hilft Ihnen dabei die Haltung, sich immer wieder klarzumachen, dass all diese dysfunktionalen Mechanismen nicht böse oder falsch sind, sondern dass sie meist in Situationen von Verletzung, Angst, Scham und Schmerz entstehen mussten.

Lassen Sie sich dabei von anderen verständnisvollen Menschen helfen – ganz besonders von Ihren Therapeutinnen und Therapeuten (die so etwas wie dysfunktionale Mechanismen von sich selbst natürlich nicht kennen :-). Tauschen Sie sich mit anderen Menschen über Ihre Strategien aus. Sie werden schnell merken, dass wir Menschen irgendwie alle dieselben „Macken“ haben.

Wenn Sie einen dysfunktionalen Mechanismus bei sich entdeckt und verstanden haben, geht es neben der „Wundheilung“ um die Entwicklung neuer funktionalerer Strategien. Und dann dürfen Sie üben, üben und nochmals üben. Nichts verändert sich schwerer als eingefahrene Mechanismen. Gehen Sie dabei bitte auch gern kritisch mit sich um, aber auch freundlich und fair. Hier hilft oft ein wenig Selbsthumor im Sinne von: „He du Strategie! Dich kenne ich doch. Dich wollte ich doch nicht mehr so oft anwenden. Ok – diesmal hast du mich wieder überlistet. Beim nächsten Mal schaffe ich es besser.“. Manchmal muss man dann bei den neuen Strategien noch nachbessern oder seine eigene Achtsamkeit verbessern (Woran merke ich beim nächsten Mal eher, dass ich anders reagieren will?).

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Wie zerstöre ich meine Beziehung – aber richtig

Wir Menschen sind Beziehungswesen und leben unsere Strategien natürlich immer auch sowohl in unseren nahen, privaten als auch den beruflichen Beziehungen. Die Veränderung eines Menschen wirkt sich immer unmittelbar auf seine Umgebung aus, und diese ist davon nicht immer begeistert.

Gerade in Bezug auf unsere näheren Beziehungen haben wir in der Regel unbewußt unsere Mechanismen mit denen unserer Beziehungspartner abgestimmt und umgekehrt. Verena Kast spricht davon, dass wir „Beziehungstänze“ leben.

Sie kennen das sicher auch, dass sie gerade bei langjährigen Partnerschaften oder auch in Beziehung zu Eltern, Geschwistern usw. genau wissen: „Wenn ich mich so verhalte, dann macht mein Partner das und das. Und dann reagiere ich so.“. Man könnte sagen, das Paar tanzt seit Jahren einen Standarttanz (z. B. einen langsamen Walzer). Beispielweise war es für Frau und Herrn M. immer selbstverständlich, dass Frau M. alle Hausarbeiten übernimmt. Wenn Sie es mal nicht machte oder machen konnte, entstand sofort ein riesiges Chaos im Haus und alle Familienmitglieder waren völlig überfordert.

Nun stellen Sie sich bitte vor, Frau M. war anlässlich einer Depression zu einer psychosomatischen Rehabilitationsbehandlung und ist dort zu der Erkenntnis gelangt, dass sie dies so nicht mehr weitermachen möchte. Sie hat dort neue Strategien entwickelt (neue Tänze gelernt – z. B. Tango) und möchte diese nun auch zu Hause tanzen. Eine sichere Strategie, um ihre Ehe zum Scheitern zu bringen wäre es nun, wenn sie nicht mit Ihrem Partner über ihre Änderungswünsche spricht und einfach die neue erlernten Tangoschritte tanzt, während Herr M. weiter vergeblich versucht, Walzer mit ihr zu tanzen. Die Schwierigkeiten sind vorauszusehen. Die Beiden werden sich ständig schmerzhaft auf die Füße treten, es wird einiges an Scherben geben und vielleicht wird Herr M. dann wütend beim Therapeuten seiner Frau anrufen, was „die in der Reha denn mit seiner Frau gemacht haben“.

Eine andere gute Strategie, um die Beziehung kaputt zu machen ist, den Partner einfach vor vollendete Tatsachen zu stellen ala „Ab jetzt wird das so gemacht und basta!“.

Sollte Ihnen allerdings noch etwas an Ihrer Beziehung liegen, empfehle ich Ihnen dringend, Ihren Partner/Partnerin frühzeitig in Ihre Gedanken und Veränderungen mit einzubeziehen. Berichten Sie ihm/ihr davon, was Sie für sich entdeckt haben und wie sie sich vorstellen, dass Ihre Beziehung sich positiv verändern könnte. Vielleicht besteht sogar die Möglichkeit zu einem Paargespräch, in dem Sie Ihren Partner als Verbündeten für Ihre Veränderungswünsche gewinnen und um Unterstützung bitten können.

Auch sollten Sie damit rechnen, dass Ihre Partner, Kinder, Eltern oder Schwiegereltern eigene Vorstellungen und evtl. keinen Veränderungswunsch haben. Auch wenn dies vielleicht völlig entgegen Ihren Wünschen ist, sollten Sie deren Widerstand Veränderungen gegenüber zumindest Verständnis gegenüber bringen. Sie wissen ja nun selbst, wie viel Angst, Schmerz und Kraft das kostet. Das heißt aber nicht, dass sie die Weigerung gut finden oder dauerhaft akzeptieren müssen. Vielmehr sollten Sie mit Widerstand rechnen (verdächtiger wäre es eher, wenn es keinen gibt) und ihn zunächst respektieren. Wo zwei Menschen aufeinander treffen, treffen auch immer unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander. Die Kunst liegt hier darin, sich ehrlich und respektvoll auszutauschen, flexibel zu sein und für beide Seiten gute Kompromisse zu schließen. Optimaler Weise sagt Ihr Partner Ihnen auch von seiner Seite her, wo in der Beziehung seine Grundbedürfnisse verletzt oder nicht erfüllt werden. Seien Sie sich gegenseitig hilfreich und gehen Sie die Krise als Entwicklungschance aktiv gestaltend an.

Hierzu wünsche ich Ihnen ganz viel Kraft, Kreativität, Humor, Hoffnung, Vertrauen und Liebe.



Dipl. med. Ulrike Ludwig